Es gibt Produktionen, bei denen die Bordmittel eines Pults das letzte Prozent nicht mehr liefern — und genau dafür gibt es SuperRack Performer von Waves. Mit der passenden Karte läuft das direkt im Signalweg der Wing: Signale raus zum Rechner, dort durch die Plugins, zurück ins Pult.

Die Einrichtung ist einmalig etwas Arbeit und an mehreren Stellen alles andere als selbsterklärend. Als ich mein eigenes Pult eingerichtet habe, habe ich online erstaunlich wenig dazu gefunden — die Puzzleteile stehen verstreut in Handbüchern, Foren und Support-Artikeln, und gerade zur Verbindung von SuperRack Performer mit dem SoundGrid-Netzwerk fand ich nirgends eine Anleitung am Stück.

Deshalb dieser Artikel: der komplette Weg, so wie ich ihn gegangen bin.

Warum Waves am Wing?

Kurz zusammengefasst: Du schickst Signale aus der Wing über eine Netzwerkkarte an deinen Mac, verarbeitest sie dort mit Waves-Plugins und schickst sie zurück ins Pult. Für das Pult sieht das aus wie ein externes Effektgerät — nur eben mit dem kompletten Waves-Arsenal darin.

Warum überhaupt SuperRack?

Ganz ehrlich: Die Wing bringt ab Werk schon sehr gute Effekte mit. Für einen Großteil der Shows brauchst du überhaupt nichts zusätzlich — und wer behauptet, ohne Waves ginge kein guter Mix, hat schlicht Unrecht.

Interessant wird es, wenn du mehr Kontrolle oder kreativere Effekte willst. Zwei Dinge sind für den Live-Betrieb besonders attraktiv:

  • Dynamische Equalizer — sie greifen nur dann ein, wenn das Signal es verlangt, statt eine Frequenz die ganze Show über stumpf wegzufiltern. Genau das Werkzeug für eine Stimme, die in den lauten Passagen anders klingt als in den leisen.
  • Emulationen bekannter Kompressoren — Klassiker aus dem Studio, die auf der Bühne einen Charakter liefern, den die Bordmittel so nicht haben.

Warum über die Karte statt über USB?

Man kann Plugins auch über die USB-Verbindung der Wing einschleifen. Die Karte ist aber in drei Punkten die bessere Lösung:

  • Robuster. Die Verbindung ist auf genau diesen Zweck ausgelegt und verhält sich im Showbetrieb deutlich zuverlässiger.
  • Latenzärmer. Für einen Weg, den jedes Signal hin und zurück nimmt, zählt jede Millisekunde.
  • Der USB-Port bleibt frei. Und das ist der unterschätzte Vorteil: Du kannst parallel über USB ein komplettes Multitrack-Recording auf einem zweiten Rechner mitlaufen lassen — Waves auf dem einen, Mitschnitt auf dem anderen, ohne dass sich beides in die Quere kommt.

Was du dafür brauchst:

  • Eine Behringer Wing (hier: Wing Compact) mit eingebauter AoIP-WSG-Karte
  • Einen Mac mit SuperRack Performer und den SoundGrid-Treibern
  • Einen USB-C-auf-Ethernet-Adapter und ein CAT5e-Kabel (oder besser)
  • Eine gültige Waves-Lizenz für die Plugins, die du einsetzen willst

Die Waves-Karte: AoIP-WSG

In der Wing sitzt der Waves-Anschluss nicht ab Werk — du brauchst die AoIP-WSG-Karte, die in den Erweiterungsslot des Pults eingebaut wird. Der Einbau selbst ist überschaubar, du öffnest dabei aber ein Gerät im vierstelligen Wert.

Meine klare Empfehlung: lass das vom Fachmann machen. Ein falsch gesetzter Stecker, eine statische Entladung oder eine nicht richtig sitzende Karte kosten dich am Ende mehr als der Einbau. Behringer hat den Vorgang selbst in einem Video dokumentiert — wer es trotzdem selbst machen will, sollte sich das vorher komplett ansehen:

Software auf dem Mac installieren

Die gesamte Waves-Software läuft über Waves Central. Dort installierst du nicht nur SuperRack Performer, sondern auch die Treiber, die das Pult überhaupt erst sichtbar machen — und genau die sind gut versteckt.

  1. Waves Central öffnen und einloggen Danach in der linken Leiste auf Install Products gehen.
  2. Auf „All Products“ wechseln Die Treiber tauchen in der normalen Produktübersicht nicht auf — erst hier.
  3. Nach den Treibern suchen In der Suche ASIO eingeben oder direkt nach SoundGrid ASIO / Core Audio Rec/PB Driver suchen.
  4. Auf die Version achten Das ist der wichtigste Punkt beim ganzen Installationsvorgang. Unter macOS 26 (Tahoe) empfehle ich V16 oder V17. Die falsche Version läuft entweder gar nicht oder produziert Probleme, die man später schwer zuordnen kann.
  5. Weitere Komponenten hinzufügen
    • SoundGrid QRec — zwingend nötig
    • Behringer Wing Driver — optional, aber praktisch
    • SuperRack Performer — die eigentliche Anwendung
  6. Alles installieren Erst danach geht es an die Systemeinstellungen.
Versionen notieren Schreib dir auf, welche Treiberversion bei dir läuft — inklusive macOS-Version. Wenn ein System-Update später etwas zerschießt, ist das die Information, mit der du in zehn Minuten wieder am Start bist statt in zwei Stunden.

macOS-Erweiterungen freigeben

Die SoundGrid-Treiber sind System-Extensions — und macOS blockiert die erst einmal. Hier bleiben die meisten hängen, weil die Installation scheinbar durchgelaufen ist, das Pult aber nie auftaucht.

  1. Systemeinstellungen → Sicherheit & Privatsphäre Nach unten scrollen, bis der Hinweis Waves Inc. hat versucht Extensions zu installieren erscheint. Mit deinem Passwort bestätigen.
  2. Mac neu starten Ohne Neustart wird die Erweiterung nicht geladen.
  3. Systemeinstellungen → Allgemein → Startobjekte & Erweiterungen Dort bei Waves Inc. den Haken setzen. Auch das ist Pflicht, nicht optional.

Netzwerk, Adapter und Kabel

SoundGrid ist ein Netzwerkprotokoll — die Audiodaten laufen also über ein ganz normales Ethernet-Kabel zwischen Pult und Mac. Nur hat kaum ein aktueller Mac noch einen Ethernet-Port.

Ich nutze dafür einen USB-C-auf-Ethernet-Adapter mit 2,5 GBit von Ugreen (gibt es bei Amazon). Als Kabel reicht CAT5e, höher klassifiziert ist natürlich kein Nachteil.

Verbunden wird der erste Ethernet-Port der Wing — das ist der linke Port, wenn du von hinten auf das I/O-Panel schaust — direkt mit dem Adapter am Mac. Kein Switch nötig, keine Router dazwischen.

Ein Kabel ist kein Detail Nimm für die Show ein Kabel, das mechanisch etwas aushält, und lege es so, dass niemand darüber läuft. Reißt diese Verbindung, ist dein komplettes Waves-Rack weg — mitten im Song.

SoundGrid einrichten

Jetzt muss der Treiber wissen, über welchen Netzwerkadapter er sprechen soll. Dafür brauchst du den internen Gerätenamen deines Adapters — den zeigt macOS nicht in den normalen Netzwerkeinstellungen an.

  1. Adapternamen nachsehen Systemeinstellungen → Netzwerk. Der Adapter heißt meist USB 10/100/1000 LAN.
  2. BSD-Gerätenamen ermitteln Mit gedrückter Option-Taste im Apple-Menü auf Systeminformationen klicken. Im Programm links auf Netzwerk, deinen Adapter auswählen und den Wert bei BSD Device Name merken — bei mir en8.
  3. SoundGrid Driver Control Panel öffnen Liegt nach der Installation im Dock. Dort den Adapter mit dem eben notierten Namen auswählen.
  4. SoundGrid QRec öffnen Unter I/O Devices auf Position 1 die Wing auswählen. Das Programm erkennt die AoIP-WSG-Karte automatisch und stellt Kanäle und Abtastrate selbst ein.
QRec muss offen bleiben Solange du SuperRack nutzt, darf SoundGrid QRec nicht geschlossen werden. Es hält die Verbindung zum Pult. Schließt du es, ist die Verbindung weg — auch wenn SuperRack noch offen aussieht.

SuperRack Performer verbinden

Der letzte Schritt ist der kürzeste: SuperRack Performer öffnen, auf Setup gehen und unter Audio Setup bei Device die neu erschienene Option Waves SoundGrid auswählen.

Das war's. Der Mac merkt sich ab jetzt alle Einstellungen — Adapter, Gerät, Abtastrate. Vor der nächsten Show öffnest du nur noch SoundGrid QRec und SuperRack Performer, der Rest steht.

Routing: Kanäle und Busse

Ab hier wird es der spaßige Teil. Du kannst praktisch jede Quelle der Wing in das Waves-Modul schicken, dort verarbeiten und wieder zurückholen:

  • Lokales I/O
  • AES50
  • USB-Audio
  • Wing-Live
  • StageConnect

Für einzelne Kanäle schickst du das Signal ins Modul, bearbeitest es in SuperRack und routest es zurück auf den jeweiligen Kanal.

Für Busse empfehle ich den Weg über einen Insert. Das geht so: In den Effekten der Wing legst du für den jeweiligen Bus einen External Insert an. Diesen Effekt insertest du dann in den Bus — das Signal geht raus nach Waves, wird dort verarbeitet und kommt zurück in den Bus. Sauber, nachvollziehbar und jederzeit mit einem Klick zu umgehen.

Nicht alles muss durch Waves Nur weil du jeden Kanal durchschleifen kannst, heißt das nicht, dass du es solltest. Die Kanal-Dynamik der Wing macht ihren Job. Setz Waves da ein, wo es wirklich etwas ändert: Lead-Vocals, Drumbus, Summe.

Im Showbetrieb

Zwei Dinge, die ich mir angewöhnt habe:

Den Bypass einmal bewusst testen. Zieh im Soundcheck den Insert raus und hör dir an, wie die Show ohne Waves klingt. Wenn dir das gefällt, hast du ein Sicherheitsnetz. Wenn nicht, hast du deinen Grundmix zu stark vom Rechner abhängig gemacht — und das ist genau die Situation, in die du bei einem Ausfall nicht kommen willst.

Den Rechner in Ruhe lassen. Kein Systemupdate am Showtag, keine Energiesparautomatik, kein Standby. Der Mac ist in diesem Moment Teil deiner Signalkette — behandle ihn wie ein Gerät im Rack, nicht wie einen Laptop.

Wenn das einmal steht, ist es ein erstaunlich stabiler Workflow. Und der Unterschied zwischen „klingt gut“ und „klingt nach Platte“ ist bei anspruchsvollen Produktionen genau das, was diese Kette möglich macht.

Waves auf eurer nächsten Show?

Ich bringe mein Wing Compact mit installierter Waves-Karte gegen Aufpreis mit — oder richte das Setup auf dem Pult der Location ein.

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